Streit um IBPOCs und Pay-Sex eskaliert: Trans-Allies verwüsten Frauenbibliothek und greifen eine Besucherin an

Dass es innerhalb der feministischen Bewegung Spannungen gibt, wurde in der Blogosphäre zuletzt anlässlich des Emmas-Artikel über die Hetzfeministen thematisiert. Welche illustren Blüten der Konflikt zu Weilen trägt, zeigt sich aktuell an der Auseinandersetzung um eine neueröffnete Frauenbibliothek in Vancouver – pures Komödiengold😆 Die Bibliothek wurde von lokalen Feministen gegründet; ihr Angebot an Büchern ist überschaubar und auch die Fotos auf Instagram deuten auf einen kleinen Rahmen hin. Kein Steuergeld-Grab, sondern Eigenregie und Freiwilligen-Arbeit.

Im Verein, der die Bibliothek trägt, können zwar nur Frauen Mitglied werden, aber Männer dürfen als Besucher ebenfalls vorbeischauen. Auf ihrer Homepage betonen sie extra, dass sie ganz toll queer und intersektional sind, Frauen mit jeglichem Hintergrund seien willkommen.

Aber einige halten das für eine vorgeschobene Schutzbehauptung weißer Cis-Frauen, die mit dem kolonialistischen, weißen Patriarchat unter der Decke stecken. Eine Gruppe namens „Schwule (gays) gegen Gentrifizierung“ (kurz GAG) setzte sich an die Spitze des Protests und veröffentlichte angesichts der Eröffnung der Bibliothek folgendes Statement  – angeblich in Kooperation mit zahlreichen anderen Gruppen.

We are writing this list of demands in response to the opening of the Vancouver Women’s Library. With the ongoing violence against trans women, sex workers, and IBPOC (Indigenous, Black, and People of Colour) perpetuated by one of the main organizers paired with the exclusion of work that centers trans women and sex workers we came together as a group including: sex workers, trans women, POC, queers, and people in solidarity. […] there is nothing radical about replicating settler-colonial violence, transmisogyny, and whorephobia
[…]
TERFs and SWERFs are complicit in violence against sex workers and trans women and it is imperative that we do not let this violence go unnoticed. The same ideology and praxis of hate is present and replicated in right-wing/alt-right/neo-nazi organizing. TERFs and SWERFs organize for the same violent policies and work in partnership with right-wing hate groups to replicate settler-colonial white-supremacist constructions of cisheteropatrarchy that outright reject, erase, and deny IBPOC sovereignty, body sovereignty, and all peoples that do not fit under euro-centric nativism.
[…]
Cis white women are the beneficiaries of white supremacy. People who are the most affected by police brutality, settler colonialism, racialized violence, incarceration, gentrification, sexual violence, ableism and houselessness can and should be the people creating safer spaces for those most impacted by these experiences.

Es liest sich wie eine Parodie der Intersektionalen-Sekte.

Das Schreiben enthält mehrere Forderungen, die die Bibliothek umzusetzen habe. So verlangen sie eine Zensur des Buchbestandes: Bücher, die sich kritisch zur Prostitution oder dem Phänomen der Transsexualität äußern, sollen verschwinden. Der Vorstand des Vereins soll neu gewählt werden. Es dürfen nicht nur länger weiße CIS-Frauen vertreten sein, Transen und IBPOCs dürfen nicht übergangen werden! Und natürlichen sollen die Betreiber öffentlich eingestehen, dass sie selbst bei der Marginalisierung anderer Frauen mitgewirkt haben. Usw.

Vor lauter Spinnereien versäumen sie Grundsätzliches zu erklären. Warum eröffnen sie nicht einfach eine eigene Bibliothek? Mit welcher Berechtigung mischen sich in von anderen geschaffenen Strukturen ein? Die Bibliothek könnte statt feministischer Literatur genauso gut Briefmarken oder Nazi-Memorabilien ausstellen. Sie sind der Öffentlichkeit keinerlei Rechenschaft für ihre privaten Hobbies schuldig.
Letztlich sollte man ihnen dankbar sein. In Deutschland werden derartige Bibliotheken vom Steuerzahler finanziert und Männer haben keinerlei Zutritt. Da gefällt mir deren Modell deutlich besser.
Und selbst wenn der Verein doch Steuergelder erhalten sollte, ist nicht ganz klar, warum ausgerechnet die Schwulen-Aktivisten bestimmen sollten, wie es dort zugeht. Missstände würde man dann besser im Stadtparlament ansprechen.

Aber zurück zu den „Schwulen gegen Gentrifizierung“. Die Aktivisten beließen es nicht bei Facebook-Posts, sie statteten der Bibliothek einen Besuch ab (Details hier und hier). Sie wurden dort zunächst auch willkommen geheißen. Was spricht schon gegen einen Dialog? Aber die Situation eskalierte schnell: Sie rissen Poster von der Wand, überschütten Bücher mit Wein, grölten lautstark ihre Parolen, hielten sich nicht an das Rauchverbot, und und und. Schließlich wurde die Polizei gerufen und die Auseinandersetzung verlagerte sich vor die Bibliothek. Dort griffen sie dann im Verlauf des Abends noch eine Besucherin an, verbarrikadierten den Eingang und stahlen eine handbemalte Reklame-Tafel.

Da die Schwulen-Aktivisten aus den Reihen der Frauenbibliothek als „Anti-Feministen“ beschrieben wurden, will ich mich an dieser Stelle stellvertretend für zahlreiche Antifemisten von dieser Art von Protest distanzieren (auch wenn ihre internen Streitereien natürlich sehr erheiternd sind🤣): Privat-Eigentum ist selbstverständlich heilig, das Hausrecht einzuhalten. Es wäre bedauerlich, wenn sich die Bezeichnung „Anti-Feministen“ für „Trans-Allies“ und Schwulen-Aktivisten etablieren würde. Andere sprechen von Queer-Faschisten – der Begriff gefällt mir schon besser.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s