Auch Programmierer wollen „safe spaces“ – Social-Justice-Warrior fallen über Douglas Crockford her

Die meisten Leser dieser Zeilen werden mit dem Namen Douglas Crockford nichts einfangen können. Um es kurz zu machen: Er ist ein bekannter Computer-Programmierer, der vor allem durch seine Beiträge zur Programmiersprache JavaScript bekannt wurde. Er hat ein einflussreiches Buch über JavaScript geschrieben und saß eine Zeitlang im ECMAScript-Komitee – das ist das Komitee, das die Standards künftiger JavaScript-Versionen ausarbeitet. Und Crockford ist ein gefragter Redner. Einfach mal nach Videos von ihm suchen, man findet zahlreiche Vorträge von ihm; die Klickzahlen sind beträchtlich für Videos technischer Natur.

Genau deshalb war auch als Hauptredner für die diesjährige Nodevember-Konferenz vorgesehen – eine Konferenz rund um die Themen JavaScript und Node.js.
Nachdem die Nodevember-Organisatoren jedoch die Redner-Liste ins Netz gestellt hatten, fielen Soziale-Gerechtigkeits-Krieger über sie her: Nicht inklusiv genug, zu wenig Frauen, Schwarze, Lesbierinnen, usw. Inhalte sind bekanntlich zweitrangig, entscheidend ist, wer etwas vorträgt. Die Fanatiker schossen sich schließlich u.a. auf Crockford ein und die Veranstalter reagieren prompt und luden ihn wieder aus.

Das interessant an dem Fall ist, dass diesmal Nichtigkeiten den Ausschlag gaben. Anders als Brendan Eich, dem JavaScript-Erfinder, der bei Mozilla seinen Stuhl räumen musste, hat er nie Geld an Pat Buchanan oder Kampagnen zur Beibehaltung des traditionellen Eheverständnisses gespendet. Und er unterhielt auch nicht nebenbei einen politischen Blog wie Curtis Yarvin (alias Mencius Moldbug). Douglas Crockford ist einfach nur ein etwas dickköpfiger, alter, weißer Mann, mit dem einige nicht klarkommen.

„Slut shaming“

Aber schauen wir uns mal im Detail an, an was sich die Erleuchteten ereifern:

The latest was ForwardJS: besides his keynote in which he slut-shames the audience,

Er „slut-shamed“ seine Zuhörer. Auf youtube kann man das Video dazu finden (41m ff):

So the old web was great because it provided promiscuity. It meant that you could go and connect to anything and you’re probably going to be okay. You might get shocked and embarrassed but your machine’s not going to get taken over, your identity is not going to get stolen. That hasn’t always been true but pretty much the web can do that and that’s good because that allows us to get introduced to things. We used to call it surfing. That you could go from one thing to another and discover stuff and start forming relationships. Unfortunately, the same thing which allows the promiscuity to work is very bad for dealing with commmitment. So that’s what the new web is for. You know, once I have found my bank I want to make sure from this point on I’m talking to my bank and I’m not talking to anything which pretends to be my bank.

Er vergleicht das traditionelle, „promiskutive Modell“ mit seinem eigenen Modell, das durch „commitment“ gekennzeichnet ist. Seine Wortwahl ist rein technischer Natur. Es ist schon eine Menge böser Wille nötig, wollte man ihm hier „slut shaming“ unterstellen. Die Rede von „promiscous“ ist in solchen Zusammenhängen geht nicht auf ihn zurück, sie ist weit verbreitet. Die Vorwürfe bewegen sich auf einem ähnlichen Niveau wie analoge Attacken gegen die Verwendung des Begriffes „Master-Slave“.

Dumme Vorträge

 we had a small exchange backstage regarding a conference near and dear to my heart. Please note that this exchange was not 5 minutes before I was supposed to give my own keynote on robotics and community.

“the talks as the day went on just got stupider and stupider.” He said.

“mmm.” I replied. I found myself angry, my teeth clenched. Why on earth would he feel the need to say that, and now?

Warum sagt er das? Vielleicht um ein Thema vorzuschlagen, über das man diskutieren könnte oder als Anlass für smalltalk?

Der Kommentar findet sich auch im Web:

In 2011 I spoke at TXJS in at the Alamo Drafthouse in Austin. They started serving alcohol in the morning, and people were drinking all day long. As the day went on, the talks got stupider and stupider.
I don’t recommend serving alcohol during conferences

Ich halte das für einen guten Vorschlag! Alkohol sollte man erst nach dem Ende der Konferenz ausschenken, wenn man gemütlich zusammensitzt und der technische Aspekt allmählich in den Hintergrund rückt.

I’ve never dealt with Crockford in a way that I felt pleasant afterward. He is rude, unrepentant, and completely (one could argue willingly) oblivious to the meaning of his statements. I’ve never seen a person use the word ‘stupid’ so liberally in replacement of constructive criticism.

Man merkt, dass das eigentliche Problem ein anderes ist. Die Autorin kommt mit Crockford als Person einfach nicht zurecht. Menschen sind eben verschieden, nicht jeder kann mit jedem. Dass sie selbst ihren Part dazu beitragen muss, mit Menschen, mit denen auf persönlicher Ebene nicht klarkommt, trotzdem ein professionelles Verhältnis zu wahren, kommt ihr nicht in den Sinn. Crockford soll gehen, weil sie sich unwohl fühlt. Dabei ist es Crockford, der die besseren Manieren hat. Sie trägt persönliche Differenzen ins Netz und heizt das Mobbing an, nicht Crockford.

Die Leute arbeiten in der Software-Industrie, um reale Probleme zu lösen – es geht nicht darum, dass sie sich als Programmierer verhätschelt fühlen; sie müssen gegen die internationale Konkurrenz bestehen. Und deshalb ist manchmal nötig, auch Menschen zu integrieren, die zwar auf einer persönlichen Ebene schwieriger sind, dafür aber qualitativ hochwertigen Code abliefern oder über viel Erfahrung verfügen. Inklusion sollte doch ganz in ihrem Sinne sein 😉

(Gemäß der Inklusions-Ideologie ist der Fall ja deutlich komplexer. Als Laien können die Stalkerinnen nicht beurteilen, warum Crockford so ist, wie er ist. Vielleicht ist das, was sie als „fehlende Empathie“ wahrnehmen, auf etwas zurückzuführen, für das er nichts kann. Als neurodiverser Asperger-Autist müsste er inkludiert werden und sie hätten sich der Verbreitung ableistischer Kackscheisse schuldig gemacht.)

Sind „Weak Maps“ nicht maskulin genug?

Und sie haben noch weitere Vorwürfe parat:

Did Doug Crockford seriously just say on stage that no one wants to use weak maps because weak isn’t masculine? What? I don’t even…

Weak Maps sind eine neues Sprachfeature von JavaScript. Details kann man diesem Video entnehmen (15m ff):

 

Das Wort „maskulin“ kommt nicht mal vor und das Ganze war nur eine Randbemerkung. Der Begriff „weak map“ wecke vielleicht falsche Assoziationen: „Niemand will etwas Schwaches in sein Programm einbauen, richtig?“. Dabei sind „weak map“ häufig sehr nützlich.

Von Monaden und Gonaden

Des Weiteren beklagen sie sich über den Titel eines anderen Vortrags von ihm: „monads and gonads“ – Monaden und Gonaden.

Monaden sind eine Programmiertechnik, die vor allem durch funktionale Programmiersprachen wie Haskell prominent wurden. Und im den Vortrag erklärt Crockford, wie man sie in JavaScript nutzen kann.

Gonaden als Wortspiel ist den Stalkerinnen aber nicht inklusiv genug. „Gonads“ wird mancherorts als Slang für Hoden verwendet. Tatsächlich ist es ein biologischer Fachbegriff und auch Frauen haben Gonaden. Er hätte wohl eine Trigger-Warnung und Erklärung voranstellen sollen, damit die Schneeflöckchen sich nicht verletzt fühlen.

 


 

Man Douglas Crockford nicht mögen. Aber die Eiferer haben nichts vorgebracht, was überhaupt erst eine Diskussion rechtfertigen würde. Ein paar Social-Justice-Warrior fühlen sich von einem alten, weißen Mann getriggert, das war alles – aber es reicht aus, um ihn als Hauptredner abzusetzen.

Technik-Konferenzen mit Social-Justice-Warriorn

Wer sich ein Bild davon machen will, wie Techkonferenzen aussehen, in denen SJW den Ton angeben, findet auf youtube Vorträge einiger seiner Stalker, etwa von Emily Rose:

Ein 17 Minuten-Vortrag. Und sie verschwendet auch noch mehre Minuten mit SJW-Gedöns: Sie bevorzugt das Pronomen „they“ für sich, sie ist am Abend zuvor im Hotel mit jemandem aneinandergeraten und hat Anzeige bei der Polizei erstattet, usw.

Noch erheiternder ist der Vortrag der Autorin des Mediums-Artikels auf der letzten Nodevember-Konferenz:

Damit dürfte alles gesagt sein. Und für die Teilnahmen solch‘ kastrierten Konferenzen soll man auch noch 350€ bezahlen.

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