Alpen-Prawda II: Simon Hurtz und die Maskulisten

Die Süddeutsche Zeitung hat mittlerweile noch weitere Artikel zum Thema „Gleichberechtigung“ online gestellt. In einem davon nimmt sich Simon Hurz den Maskulisten an.

Hurtz stellt dem Leser zunächst „Werner Stahl“ vor, angeblich ein Twitter-Nutzer, in Wirklichkeit wohl eine Erfindung des Journalisten. Die Kunstfigur ist die Verkörperung der Vorurteile, die der Autor über „radikale Maskulisten“ pflegt. Er hat ihr Leben eingehaucht, um beim Leser besser gewünschte Emotionen hervorzurufen und Vorurteile zu bedienen. Da „Werner Stahl“ nicht real ist, kann sich niemand ein eigenes Bild von ihm machen. Aber ich kann zumindest den advocatus diaboli spielen und seine Positionen für ihn verteidigen 🙂

Das Gelbe Forum

Überraschenderweise widmet er sich ausführlich dem „gelben Forum„:

Auch das andere Sammelbecken der radikalen Maskulisten beobachtet er nur passiv. Im „gelben Forum“ bestätigen sich Männer in ihrer Überzeugung, von linksradikalen Feminazis unterjocht zu werden. […]

Das gelbe Forum ist ein antifeministisches Forum. Es melden sich dort Antifeminsten mit verschiedenstem Hintergrund zu Wort: Männerrechtler, Maskulisten, Christen, MGTOWlern, usw. Das Forum als stellvertretend für irgendetwas zu präsentieren, ist ein weiterer Trick, um schlechtes Licht auf die Bewegung zu werfen. Die Leser sollen sich wohl an dem offenen Plauderton stören. Es geht dort grob zu, gewiss, aber es wird nur selten so unzivilisiert, wie man es von anonymen Bilderbrettern wie 4chan und deutschen Entsprechungen kennt. Für einige ist es wohl unerträglich, wenn Männer sich irgendwo offen unterhalten können, ohne auf die üblichen Befindlichkeiten Rücksicht zu nehmen; gar politisch unkorrekte Witze machen können, ohne dass ein Aufpasser einschreitet.

Ja, viele Kraftausdrücke sind unpassend für eine angemessene Diskussion, aber es ist eine Plauderstube für Antifeministen, kein Promotionskolloquium für Soziologen. Es sollen Männer aus allen Schichten, mit allen (Bildungs-)Hintergründen mitreden dürfen. Und ja, der Tonfall erschreckt vielleicht viele Frauen, aber man unterhält sich dort ja untereinander. Es ist nicht auf einen Dialog mit der Gegenseite ausgelegt. Wem es nicht gefällt, muss nicht mitlesen.

Nach dem Sport in der Umkleidekabine unterhält man sich auch anders als dann zu Hause am Küchentisch mit Frau und Kindern. Warum ist das Geschrei so groß, wenn sich solche Gespräche ins Internet verlagern?

Sie warnen vor „homo-perversen Blockwarten“

Die „homo-perversen Blockwarten“ – es gibt sie leider. Man schaue sich nur an, was mit Phil Robertson oder Brendan Eich passiert ist. Früher wollten die Schwulen einfach nur in Ruhe gelassen werden. Nachdem das erreicht war, hätten sich die ganzen Homosexuellen-Verbände eigentlich auflösen können. Stattdessen spielen sie sich heute als Moralapostel auf und machen Hetzjagd auf Personen, die sich nicht in ihrem Sinne über Homosexuelle äußern. Meist begnügen sie sich mit medialer Hinrichtung, wie im Falle Brendan Eich, aber in Ländern, in denen es ihnen möglich ist, ziehen sie auch vor Gericht: „Hass-Rede“, „Verleumdung“, usw.

beschweren sich über „grün-schwule Pädophile“

Wohl eine Anspielung auf Volker Beck, dessen früherer Einsatz für die Pädophilenbewegung sich wohl auch bis zum Autor herumgesprochen haben dürfte. Die perversen Gelüste der Grünen sind damit ja keinesfalls gestillt. Kindersex trauen sie sich heute nicht mehr zu predigen, stattdessen haben sie sich darauf verlagert, in den staatlichen Verwahranstalten (Schulen, Kindergärten, usw.) den sexuell korrekten Nachwuchs heranzuzüchten. Sie scheinen aus ihrer Vergangenheit nichts zu lernen und im gelben Forum wird das gelegentlich thematisiert.

Arne Hoffmann

Simon Hurtz lässt nicht nur „Werner Stahl“ zu Wort kommen, sondern hat immerhin mit einer real existierenden Person gesprochen: Arne Hoffmann. Dieser wird als „gemäßigter Maskulist“ präsentiert.

Er hat diesen Punkt im Kern durchaus richtig dargestellt: Es gibt diese Spannunge innerhalb der „manosphere“, in Deutschland wie im englischsprachigen Raum. Auf der einen Seite gibt es die „gemäßigten Maskulisten“, die sich an dem linken Mainstream anbiedern; einige, weil sie tatsächlich an die ganzen linken Lebenslügen und Werte glauben, einige, weil sie sich erhoffen, wenigsten etwas erreichen zu können, wenn sie dem Zeitgeist Zugeständnisse machen. Auf der anderen Seite gibt es „Pöbler“ wie mich, die das Spiel nicht mitmachen und lieber Außenseiter bleiben als sich dem linken Diskurs anzupassen.

Als „gemäßigter Maskulist“ bekennt sich Hoffmann natürlich zur heiligen Trinität der Linken: Geschlecht, Klasse und Rasse. Wie wichtig ihm der „Geschlechts“-Aspekt macht er durch sein Lob der Frauenbewegung und seine Distanzierung vom Antifeminismus deutlich. Seinen Beifall zur aktuellen Masseninvasion Europas können wir unter dem Aspekt „Rasse“ verbuchen. Und der Klassenaspket wird mit dem Verweis auf die vielen männlichen Schulversager, die dann arbeitslos sind, abgedeckt.

Auch eine weitere Gruppe darf natürlich nicht übergangen werden: Die Homosexuellen

während sich Hoffmann als Flüchtlingsfreund und Unterstützer von Schwulen, Lesben und Transgender sieht.

Dabei sind die Zeiten, in denen man Schwule kastriert und eingesperrt hat, schon lange vorbei. „Leben und leben lassen“ wäre theoretisch ein gangbares Modell. Die organisierte Homosexuellen-Bewegung ist jedoch profeministisch und sieht sich weiter im Kampf gegen den bösen weißen, christlichen, heterosexuellen Mann, den sie mittels einer allmächtigen Staatsbürokratie und Medienpropaganda zu kontrollieren suchen. Ich sehe nicht ein, warum man derartige Gruppen unterstützen oder den Interessenskonflikt wegdiskutieren sollte.

Ein Punkt fehlt Arne Hoffmann natürlich noch, um vom Mainstream angenommen zu werden: Die Distanzierung, die soziale Beschämung unkorrekter Zeitgenossen:

Hoffmann ärgert sich über Wikimannia und WGvdL. „Die stellen Extremforderungen, aber sie machen keine echte politische Arbeit.“

Weder die Wikimannia noch das WGvdL stellen Forderungen oder leisten politische Arbeit. Die Wikimannia sammelt natürlich jede Menge Dokumente, die vielleicht als Ausgangsmaterial für politische Arbeit genutzt werden könnten – aber das ganze selbst ist noch keine politische Arbeit.

lieferten die „radikalen Spinner“ den Kritikern der Männerrechtsbewegung regelmäßig Zitate, mit denen diese die ganze Szene diskreditieren könnten.

Ein wenig mehr Realismus wäre angebracht: „Radikale Spinner“ gibt es überall, unter Christen, Moslems, Linken, Vegetariern, usw. Eine Bewegung ohne radikale Spinner wird es nicht geben. Außerdem benötigt die Lügenpresse das gelbe Forum gar nicht. Zur Not erfindet sie entsprechende Personen, etwa einen „Werner Stahl“, oder man ordnet einfach irgendwelche Personen der Männerrechtsbewegung zu, die nichts mit ihr zu tun haben. Der Fall Elliot Rodgers ist hier ein Beispiel, weitere kann man etwa den Vorträgen Jasna Stricks entnehmen, die auf Youtube zu finden sind.

Hoffmann habe der rechtskonservativen Jungen Freiheit ein Interview gegeben und bei Eigentümlich frei publiziert, einer Zeitschrift aus dem Umfeld der Neuen Rechten. […] Darauf angesprochen gibt Hoffmann zu, dass das Interview in der Jungen Freiheit ein Fehler gewesen sei. „Das würde ich heute nicht mehr machen. Und seit Eigentümlich frei so auf die Pegida-Linie eingeschwenkt ist, halte ich mich da auch fern“, sagt er.

Man stellt Hoffmann also nicht nur gleichberechtigt eine imaginäre Figur entgegen, die Vorurteile bedienen und Emotionen schüren soll, sondern es wird auch noch dem Linksextremisten Andreas Kemper Platz für eine unsachliche guilt-by-association-Attacke eingeräumt (Hatte der wirklich nichts halbwegs Sachliches beizutragen? Theoretisch spräche ja nichts dagegen, so jemanden zu Wort kommen zu lassen). Arne Hoffmann spielt natürlich auch hier mit und leistet Abbitte dafür, dass er mit den Schmuddelkindern geredet hat. Ob ihm das alles etwas gebracht hat? Konnte er einen Teil seiner Botschaft dem typischen SZ-Leser vermitteln? Ich bin angesichts des Kontexts, der durch Hurtz aufgebaut wurde, skeptisch.

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2 Gedanken zu “Alpen-Prawda II: Simon Hurtz und die Maskulisten

  1. > Die Wikimannia sammelt natürlich jede Menge Dokumente, die vielleicht als Ausgangsmaterial für politische Arbeit genutzt werden könnten – aber das ganze selbst ist noch keine politische Arbeit.

    Endlich mal jemand, der unsere Arbeit versteht! 😉

    Auch die unsachliche guilt-by-association-Attacke des Linksextremisten Andreas Kemper ist korrekt eingeschätzt. Den lässt nur als „Experten“ zu Wort kommen, der Männer(rechtler) als Pöbler und Rechtsextreme diffamieren will. Und ob es Arne Hoffmann etwas bringt, wenn er Abbitte leistet dafür, dass er mit den Schmuddelkindern geredet hat, das fragen wir uns auch. Offenbar glaubt A.H. aber ganz fest daran…

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