Die Alpen-Prawda über das Auslaufmodell (feministische) Gleichberechtigung

Die Süddeutsche Zeitung beglückt ihre Leser aktuell mit einer Artikel-Serie zum Thema Gleichberechtigung. In einem Artikel erklärt Karin Janker uns, warum Männer Feministen werden müssen. Freundlicherweise haben sie den Artikel diesmal nicht hinter einer Paywall versteckt, so kann ich ihn kommentieren.

Männlich geprägte Unternehmen? Wo ist das Problem – gründet eure eigenen!

Nachdem die Autorin die evolutionären Gründe dafür geleugnet hat, warum Frauen durchschnittlich weniger karriereorientiert sind, bringt sie eine alternative Erklärung dafür, dass viele Unternehmen noch von Männern dominiert werden:

Unsere Gesellschaft wird nach wie vor von „homosozialen Gemeinschaften“ dominiert. Darunter versteht Meuser Männerrunden wie Studentenverbindungen, Stammtische oder Fußballvereine, in denen Frauen de facto abwesend sind. Meuser kommt zu dem Schluss, dass Männer sich unter Geschlechtsgenossen am wohlsten fühlen, weil dann die „Anforderungen an die Selbstbeherrschung“ vermindert seien und man mit den Kumpels am besten „Spaß haben“ und „Blödsinn reden“ könne. Keine böse Absicht also, sondern Gewohnheit.

Sollte das wirklich das Problem sein, ist die Lösung ganz einfach, wir leben schließlich in einer Marktwirtschaft – oder das, was einige dafür halten. Liebe Frauen, macht euch selbständig, oder, noch viel besser, gründet eigene Startups! Die könnt ihr nach den eigenen Grundsätzen und gerne auch als „girl only club“ führen. Ich fände das zwar lächerlich, aber anders als autoritären Feministen liegt es mir fern, anderen Vorschriften machen zu wollen, mit wem sie zusammenarbeiten sollen und mit wem nicht. Solltet ihr von den Banken oder anderen Geldgebern nicht ernst genommen werdet, stellt eben für ein kleines Taschengeld ein paar Männer ein, die zum Schein die Firma nach außen präsentieren. Eurer Phantasie sind hier keine Grenzen gesetzt. Zukunft gestaltet nur derjenige, der auch selbst handelt. Wer irgendwo hingesetzt wird, um Quoten zu erfüllen, gestaltet nichts. Er ist ein Objekt, das von Akteuren im Hintergrund platziert und gelenkt wird, um politische Vorgaben zu erfüllen.

Mehr Unternehmensgründungen durch Frauen wären wirklich eine Bereicherung. Der Markt würde letztlich entscheiden, welche Organisationsformen bei Arbeitnehmern wie Kunden am besten ankommen. Und es müssen nicht alle dem gleichen Modell folgen, verschiedene Organisationsformen können nebeneinander existieren.

Natürlich kann man nichts dergleichen beobachten. Startup-Gründer und Selbständige sind primär Männer. Man könnte glatt den Eindruck bekommen, Frauen wollen lediglich in von Männern geschaffenen Strukturen leistungslos nach oben gehievt werden, anstatt ähnlich klein anzufangen wie einst Steve Jobs oder Bill Gates. Was hat das noch mit Gleichberechtigung zu tun?

Sollte an ihrer Erklärung etwas dran sein, würde ich daraus übrigens genau die gegenteilige Schlussfolgerung ziehen als die Autorin. Arbeit ist idealerweise nicht nur ein Ort, an dem man widerwillig hingeht, um Tätigkeiten zu verrichten, die einen anöden, und es auch noch mit Kollegen zu tun hat, die man nicht ausstehen kann. Das ganze sollte auch ein wenig Spaß machen. Also stellt man die Menschen nicht nur nach beruflichen Fähigkeiten ein, sondern berücksichtigt auch soziale Faktoren. Sollte es Männern einfacher fallen, mit anderen Männern zusammenzuarbeiten, handeln sie rational, wenn sie bei der Einstellung Frauen diskriminieren.

Dem Männlichkeitsforscher zufolge liegt das auch daran, dass in Männerrunden unbewusst eine Rangordnung festgelegt wird, die Männern den Umgang miteinander erleichtert. Solche Monokulturen machen es der Gleichberechtigung schwer.

Bewährte Organisationsformen haben also noch einen weiteren Vorteil: Hierarchien scheinen die Produktivität zu erhöhen, da Verantwortlichkeiten klar geregelt sind und nicht ständig neu verhandelt werden müssen.

Manchmal hat man den Eindruck, es wäre der Autorin nicht bewusst, daher will ich den Punkt hier noch einmal betonen: Ein Unternehmen ist nicht dazu da, die Ressource Arbeit gemäß ideologischer Vorgaben von Feministen zu verteilen. Das Unternehmen existiert, um mit seinen Angeboten Bedürfnisse zu befriedigen und dadurch Geld zu erwirtschaften. Man übertrumpft die Konkurrenz aus China, die ähnliche Angebote macht, nicht mit Extra-Toiletten für Transsexuellen und Vaginabonus für vergleichsweise unfähige und faule Mitarbeiterinnen.

Unterwerfung des Privatlebens unter feministische Ideologie?

Und soweit sich das Ganze auf das Privatleben bezieht, wird es noch obskurer. Wenn sich Männer in Männerrunden wie „Stammtischen oder Fußballvereinen” wohl fühlen, gibt es keinen Grund, sie abzuschaffen. Es sind sozusagen „safe-spaces“ für Männer. Sie wurden von Männern geschaffen, um die Bedürfnisse von Männern zu befriedigen, nicht die von Frauen.

Um aus dieser Krise gestärkt hervorzugehen, braucht er den Feminismus – verstanden als gemeinsame Anstrengung in Richtung Gleichberechtigung.

Durch den ganzen Text zieht sich ein bizarres Verständnis von Gleichberechtigung. Gleichberechtigung beschreibt das Verhältnis zwischen Staat und Bürger. Vor dem Gesetz sind alle Menschen gleich, ganz egal ob er eine Vagina, einen Penis, einen zur Vagina umgestülpten Penis oder was auch immer hat.

Für das Privatleben gilt das Gleichberechtigungs-Gebot nicht. Lesben müssen nicht auch Männern eine Chance geben, weil es sonst nicht gleichberechtigt zugeht. Es steht ihnen frei, potentielle Partner nur unter Frauen zu suchen. Und wer dann in der Beziehung die Hose an hat, müssen die beiden ebenfalls unter sich aushandeln.

(Genauso sollte es Firmen freistehen, Menschen nach Kriterien einzustellen, die ihnen sinnvoll erscheinen. Hier schließen Privatpersonen untereinander Verträge, nach eigenen Kriterien – nicht nach den Kriterien der Feministen. Vernünftige Unternehmen geht es primär um Faktoren wie Produktivität. Wie viele Prozent der Beschäftigten auf einer Ebene Frauen sind, interessiert sie nur insoweit, wie es für diese Ziele relevant ist – also meist herzlich wenig.)

„Benachteiligungen“

Die Autorin listet einige vermeintliche Benachteiligungen auf,  eine separate Übersicht bringt weitere Beispiele.

Seit 1949 behauptet das Grundgesetz: „Männer und Frauen sind gleichberechtigt.“ Dort steht auch, dass der Staat auf die Beseitigung bestehender Nachteile hinwirken soll. Bis Elisabeth Schwarzhaupt die erste deutsche Bundesministerin wurde, vergingen dennoch zwölf Jahre. Bis zur ersten Bundeskanzlerin sogar 56 Jahre.

Dass der „Staat auf die Beseitigung bestehender Nachteile hinwirken soll“ steht dort nicht seit 1949. Der Zusatz wurde erst viel später auf Bestreben von Feministen verfassungswidrig hinzugefügt.

Es widerspricht dem Gleichberechtigungsgebot nicht, dass lange Zeit stets nur Männer Bundeskanzler waren. Männer wie Frauen durften in der BRD schon immer beide wählen und haben sich eben lange Zeit nur für Männer entschieden. Gleichberechtigung bezieht sich auf die formalen Regeln, nicht auf das Ergebnis. Wenn irgendwo Männer über- oder unterrepräsentiert sind, ist das meist nur ein Zeichen dafür, dass sich Männer und Frauen nicht so verhalten, wie feministische Ideologen sich das wünschen.

Nicht jeder will Vorstandschef oder dergleichen werden – und noch weniger sind dazu fähig. Wie wenig Frauen sich für so einen solchen Lebensweg interessieren, sieht man bereits an ihrer Berufswahl: Maschinenbau, Elektrotechnik und ähnliche Studiengänge sind meist männlich geprägt, Frauen zieht es in brotlose Studiengänge wie Germanistik oder Kulturwissenschaft. Wenn es das ist, was sie wollen, spricht nichts dagegen. Sie müssen sich dann eben mit Hartz-IV zu Frieden geben und haben keinerlei Chance auf einen Posten, der mit viel Gehalt und Macht verbunden ist.

Feministisch-korrektes Familienleben

Doch nicht nur auf der gesellschaftlichen, auch auf der individuellen Ebene brauchen wir mehr Gleichberechtigung. Ein schwieriges Terrain: Denn es geht um Privates, um Liebe und Familie und um unsere romantischen Vorstellungen davon. Wenn es aber um Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern geht, wird auch das Persönliche politisch.

Der Punkt wurde oben schon angesprochen: Gleichberechtigung bezieht sich auf das Verhältnis Staat-Bürger. Wie Menschen ihr Privatleben regeln, ist deren Sache. Das totalitäre Moment des Feminismus kommt gerade hier deutlich zum Vorschein. Es ist eine autoritäre Ideologie, die Männern wie Frauen vorschreiben will, wie sie ihr eigenes Leben zu führen haben. Männern wie Frauen kann man da nur gleichermaßen den Ratschlag geben, ihr Privatleben nicht dem perversen Gleichheitsdiktat linker Ideologen zu unterwerfen – man hat nur ein Leben.
Wenig später sieht man noch deutlicher, wie weit der Gleichheitswahn geht:

Die Herausgeberin des Missy Magazine hat gerade zusammen mit ihrem Partner das Buch „Papa kann auch stillen“ veröffentlicht, in dem die beiden von dem Versuch berichten, die Familienarbeit gemeinsam nach dem 50/50-Prinzip zu organisieren. Sie zeigen: Es geht. Aber Männer und Frauen müssen viel miteinander reden.

Für das 50/50-Prinzip spricht wenig. Menschen sind nun einmal verschieden. Wenn es einigen Frauen gefällt, sich aus dem Berufsleben stärker zurückzuziehen und von einem Mann aushalten zu lassen, weil sie es erfüllender empfinden, Zeit mit ihren eigenen Kinder zu verbringen, sollen sie sich eben einen Mann suchen, der das Spiel mitmacht. Wollen sie Karriere machen und trotzdem Kinder, müssen sie sich einen Beta-Mann suchen, der sich gerne um die Kinder kümmert. Die genaue Arbeitsteilung sollte man vernünftigerweise unter Berücksichtigung privater Vorlieben und Fähigkeiten aushandeln, nicht nach ideologischen Vorgaben.

Das 50/50-Prinzip ist ein Modell für Partner, die beide eigentlich keine Lust auf Karriere haben, sondern sich lieber um Kinder und Familie kümmern. Und selbst unter diesen Voraussetzungen ist es primär ein Modell für Hartz-IV-Ehen oder etwa Lehrer-Ehen, wo beide Partner verbeamtet oder im öffentlichen Dienst kündigungssicher beschäftigt sind und ohne Probleme mal für ein paar Jahre nur halbtags arbeiten können. In anderen Fällen sprechen die Qualifikation der Partner und die Lage am Arbeitsmarkt meist gegen eine solche Lösung, selbst wenn es von beiden favorisiert wird.

Das ganze aus Sicht der Kinder zu begründen, scheint mir auch eine Projektion der eigenen Wertvorstellungen in diese zu sein. Mit wem die Kinder gerne mehr Freizeit verbringen würden, ist doch auch eine recht individuelle Angelegenheit. Normalerweise betonen sie immer, wie toll Homo-Ehen, Patchwork-Familien und Co. sind, und dass das Kindern nicht schadet. Jetzt sollen die Wünsche der Kinder aber plötzlich für das 50-50-Prinzip herhalten.

Ein altes Missverständnis: Der Feminismus habe etwas gegen Männer

Wie man sieht, ist es in der Tat ein Missverständnis. Der Feminismus ist eine Ideologie, die sich primär gegen die Freiheit richtet. Er produziert Verlierer und Gewinner, unter Männern wie Frauen. Es ist empirisch schwer zu evaluieren, welchen der beiden Geschlechtern er letztlich mehr schadet. Man sollte sich nicht so sehr von der männerfeindlichen und frauenfreundlichen Rhetorik täuschen lassen, sondern empirisch unvoreingenommen an die Sache herangehen.

Westlicher Feminismus – ein biologisches Auslaufmodell

Schade ist das nicht nur für jene Frauen, die um Karrieremöglichkeiten gebracht werden. Sondern auch für unsere Gesellschaft als Ganzes, weil sie sich damit gut die Hälfte ihres Potenzials entgehen lässt. […]

Wir alle haben ein Recht darauf, in einer Gesellschaft zu leben, die von weiblicher wie männlicher Kompetenz profitiert.

Das ist eben das, was Feministen nicht begreifen wollen. Eine Gesellschaft, die von männlichen wie weiblichen Kompetenzen am besten profitiert, ist arbeitsteilig organisiert: Frauen werden vor allem in die Rolle als Mütter gedrängt, Männer primär in die Rolle als Versorger. Man drängte Frauen nicht in die Mütter-Rolle, weil sie anderswo keine Kompetenzen haben, sondern weil Männer keine Gebär-Kompetenz haben. Eine Frau mag theoretisch eine bessere Kernphysikerin sein als die meisten ihrer männlichen Kollegen. Trotzdem wäre es für die Gesellschaft als Ganzes besser, wenn sie erst gar nicht in das Berufsleben eingestiegen wäre und stattdessen vier Kinder bekommen hätte. Die drei bis vier Kinder, die die Kernphysikerin nicht hat, weil sie sich als Powerfrau voll ihrem Beruf widmet, fehlen in der nächsten Generation. Sobald man anfängt, von der „Gesellschaft als Ganzes“ zu appellieren, spricht alles gegen große Frauenkarrieren.

Der wesentliche Vorteil an diesem Modell ist die Nachhaltigkeit. Es geht gar nicht darum, ob Frauen oder Männer damit glücklicher sind. Es ist nur so, dass Gesellschaften, die diese biologische Vorgabe nicht anerkennen, mangels Kinder keine Zukunft haben, sich selbst aus der Geschichte verabschieden.

Man muss nur schauen, wer aktuell in westlichen Ländern die ganzen Kinder bekommt: Gläubige Moslems, Mormonen, orthodoxe Juden, fundamentalistische Christen, usw. Diese Religionen sind alle patriarchisch geprägt und erkennen nicht mal den formalen Gleichberechtigungs-Grundsatz an. Trotzdem gehört ihnen die Zukunft, in 100 Jahren interessiert sich keiner mehr für den Feminismus westlicher, weißer, postchristlicher Frauen. Deren Lebenswelten sind gerade am Untergehen, es hat sich nur noch nicht in der Redaktion der Süddeutschen Zeitung herumgesprochen.

Ihr Problem ist, dass sie stets von Utopien und abstrakten moralischen Grundsätzen ausgehen, und dabei die Realität vollständig aus den Augen verlieren. In ihrer Welt fallen Wettbewerbsfähigkeit, Erfolg, Reichtum und zukünftige Generationen wie Manna vom Himmel. Daher meinen sie sich ganz darauf konzentrieren zu können, alles nach „geschlechtergerechten“ Kriterien zu organisieren, ohne derartige Faktoren bedenken zu müssen. Eine Ideologie unreifer Frauen, die ihre Partikularinteressen ideologisch zu rechtfertigen suchen.

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Ein Gedanke zu “Die Alpen-Prawda über das Auslaufmodell (feministische) Gleichberechtigung

  1. tl;dr

    Nicht missverstehen. Ich liebe die Weiber und verabscheue den Feminismus genau so wie ihr. Aber ihr schreibt mir zwo Nummern zu langatmig.

    Trotzdem meine Sympathie für die gute Absicht. Halali!

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