Amneus: Patriachat vs. Matriachat

Grundlegender Ausgangspunkt der Überlegungen Amneus ist die Unterscheidung zwischen Matriarchat und Patriarchat. Er verwendet beide Begriffe, wie er selbst gesteht, in einem ungebräuchlichen Sinn. Es geht ihm nicht darum, wer die die grundlegenden Entscheidungen für die Gesellschaft als Ganzes trifft (eine Elite, die nahezu ausschließlich aus Männern besteht?). Vielmehr untersucht er, wie die kleinste reproduktive Einheit, die Familie, organisiert ist:

Im matriarchalen System besteht die reproduktive Einheit aus der Mutter und ihrem Nachwuchs, der Vater spielt eine marginale Rolle, er wandert in die Familie und wieder von ihr weg, je nach Wunsch der Mutter. Das Zentrale dieser Art von Familie ist ihre Natürlichkeit. Römische Juristen sprachen von Mutterschaf als “natürliche Gegebenheit” – natura verum – und betrachteten Vaterschaft lediglich als eine Angelegenheit der Gesetzgebung. “In allen außer wenigen Spezies”, schreibt Sarah Hardy, “sind Weibchen die dauerhaften Mitglieder der sozialen Gruppen, Männchen dagegen nur vorübergehend”. Das ist die reproduktive Anordnung von allen niederen Säugetieren. Und es war, bis vor kurzem, die reproduktive Anordnung der menschlichen Rasse selbst. Die biologische Absicherung dieser Anordnung ist fantastisch. Das ist das, was Margaret Mead meint, wenn sie die Rolle der Mutter als “biologischen Fakt” bezeichnet.

Sein “Wissen” über die vor-zivilisatorische Zeit bezieht er kurioser Weise vorwiegend aus feministischer Trash-Literatur der 60er und 70er Jahre, die er immer wieder diskutiert. Die Autorinnen zeichnen dort, inspiriert durch Bachhofen und andere, Bilder von edlen Wilden, von Menschen, die im Einklang mit der Natur leben, von Frauen, die ihre Sexualität kontrollieren und frei ausleben, usw. Worauf es ihm vor allem ankommt, ist, dass die Vaterschaft in diesen Gesellschaften aufgrund der Promiskuität der Frauen unsicher war; es keine dauerhafte Beziehung zwischen Vater und Mutter sowie Vater und Kind gab. Anders als diese Autorinnen kann er jedoch nur wenig Positives an diesen edlen Wilden erkennen, sondern betont die Nachteile ihrer Lebensweise: niedriger Lebensstandard, geringe Lebenserwartung, keinerlei zivilisatorische Errungenschaften (Schrift, Wissenschaft, etc.).

(Amneus scheint diesen Erzählungen über edle Wilde tatsächlich Glauben zu schenken. Manchmal hatte ich den Verdacht, er greift die Erzählungen nur auf, um sich über diese Feministen lustig zu machen – seinen Literaturangaben kann man entnehmen, dass er sehr wohl mit Schriften vertraut ist, in denen gegen ein derart verklärtes Bild der vor-zivilisatorischen Zeit argumentiert wird. Für den weiteren Verlauf seiner Argumentation spielt es aber keine allzu große Rolle, wie unsere Vorfahren vor tausenden Jahren lebten.)

Die Phase des Matriarchats endete vor eine “paar tausend Jahren” mit der “patriarchalen Revolution”. “Es war kein Aufstand, es war eine Revolution des Bewusstseins, ein psychologischer Durchbruch.” Die Männer hatten gelernt, die weibliche Sexualität zu regulieren: Sex außerhalb der Ehe wurden große Hürden in den Weg gelegt, er konnte sich seiner Vaterschaft sicher sein. Seine Rolle in der Reproduktion war nicht länger marginal, er zog mit der Mutter gleich. Als Familienvorstand spielt er bei der Erziehung der Kinder eine genauso wichtige Rolle wie die Mutter.

Das Patriarchat ist gekennzeichnet durch “Recht und Ordnung im sexuellen Bereich”, “Monogamie”, “das Legitimitäts-Prinzip” (jedes Kind muss einen Vater haben), den “Doppel-Standard” (Keuschheit ist für Frauen wichtiger als für Männer), “usw.”
Frauen, die sich den Geboten nicht unterwarfen, galten als gefallene Mädchen, als moralisch korrupt. Sie waren zu einem Leben mit niedrigen sozialen Status verdammt.

Das männliche Verwandtschafts-System, oder Patriarchat, ist noch ein Teil der Natur, aber in einem neuen Sinn: Es wird nicht biologisch vererbt, sondern sozial. Es ist vom Menschen erschaffen.

Das Zwei-Eltern-Familie ist nicht ‘natürlich’. Sie ist nicht “biologisch”, sie ist nicht “ursprünglich”. Sie ist eine kulturelle Erfindung, künstlich, fragile, und wie die Zivilisation selbst lediglich ein paar tausend Jahre alt.

Zwischen Patriarchat und (fortgeschrittener) Zivilisation sieht er einen kausalen Zusammenhang: “Es kann keine Zivilisation geben ohne die Regulation der weiblichen Sexualität”; “[…] die Erschaffung des Patriarchat [war] die größte menschliche Errungenschaft, da jegliche andere Errungenschaft der Zivilisation unter der Herrschaft des Patriarchats entstand, wohingegen Millionen Jahre zuvor nichts dergleichen erschaffen wurde.”

Sobald das Patriarchat an Einfluss verliert, schwinden die zivilisatorischen Errungenschaften. Und weil das System des Patriarchats so unnatürlich und fragil ist, bedarf es stets größter Anstrengung, es aufrechtzuerhalten:

Die matriarchale Familie kann aufgrund von Katastrophen entstehen, aber sie kann auch dadurch entstehen, dass man nichts tut, vom biologischen und sozialen Dahintreiben. Sie ist immer in Bereitschaft, wartet immer darauf, wieder aufzutauchen und sich neu zu etablieren. Sie ist das, in was die Gesellschaft verfällt, wenn die Instandhaltung und Pflege des patriarchalen Systems vernachlässigt wird. Sie ist das Muster, das jetzt unter der Ägide der feministischen/sexuelle Revolution wieder auftaucht […]. Sie ist das Muster der Ghettos, wo uneheliche Geburten schon jetzt die Regel sind.

Die Ghettos der Afroamerikaner und indianischen Reservate sind matriarchalisch geprägt. Alleinerziehende Mütter sind Standard, die Väter entweder unbekannt oder leben von der Mutter getrennt. Ähnliches kann man in Haiti und anderen Ländern beobachten. Dort hat das Patriarchat vor allem durch “soziales Dahintreiben” an Einfluss verloren. In der westlichen Welt dagegen wurde das Patriarchat primär durch die sexuelle Revolution und den Feminismus geschwächt. Eine feministisches inspiriertes Scheidungsrecht und eine Wohlfahrtspolitik, die von Männern Steuern eintreibt, die dann für Frauen ausgegeben werden, führten zum Wiedererstarken matriarchaler Strukturen, die zunehmend die Gesellschaft zersetzen und den Wohlstand bedrohen.

In den folgenden Blogbeiträgen werde ich diskutieren, warum genau das Patriarchat nach Amneus’ Auffassung überlegen ist und welche Maßnahmen er vorschlägt, um matriarchale Strukturen wieder zurückzudrängen.

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