„Interdependente VerRücktheitsforschung“ und anderer Wahnsinn an der Humboldt-Universität

Das Vorlesungsverzeichnis der Humboldt-Universität für den Bereich Gender Studies kündigt folgendes Seminar an: „Einführung in interdependente VerRücktheitsforschung/ Mad Studies“.

Der Inhalt des Seminars wird folgendermaßen umrissen:

Wie steht die Konstruktion von Psychiatrie und VerRücktheit in Interdependenz mit gesellschaftlichen Machtverhältnissen? Wie kann eine interdependente VerRücktheitsforschung aussehen?

In den letzten Jahren etablierte sich das Feld der Mad Studies mit großem Tempo an den Universitäten im angloamerikanischen und englischsprachigen Raum. Dieses Seminar gibt einen Einblick in den derzeitigen Forschungsstand der interdependenten Mad Studies und Psychiatriekritik und diskutiert, inwiefern diese Diskurse in dem deutschsprachigen Raum Relevanz haben.

In einem ersten Teil gibt das Seminar eine historische Herleitung von Psychiatrie und psychischer BeHinderung/ VerRücktheit. Der zweite Teil analysiert psychiatrische Mechanismen und der dritte Teil setzt sich mit antipsychiatrischen und verRückten Alternativen und Widerständen auseinander.

Irgendwie war es klar, nach den „fat studies“ mussten die „mad studies“ kommen. Dass das mangels eigenen Studiengangs innerhalb der „gender studies“ behandelt wird, scheint mir eine gute Lösung zu sein. Die Verrückten beschäftigen sich ja schon immer am liebsten mit sich selbst.

Wenn ich es richtig sehe, richtet sich der Kurs an BA-Studenten, gerade Studienanfänger. Die haben keinerlei medizinisches, psychologisches oder gar psychiatrisches Vorwissen. Ihr Kenntnisstand entspricht dem heutiger Abiturienten. Und die beschäftigen sich jetzt mit „Psychiatriekritik“?

Die gleiche Frage stelle ich mir auch bei anderen Veranstaltungen. Es gibt Seminar über Hunger, Ökonomie und vieles mehr – natürlich aus feministischer Perspektive. Wer besucht solche Veranstaltungen in der Praxis? Studenten der Wirtschaftswissenschaften, die mal einen anderen Blick auf ihr Fach präsentiert bekommen wollen – oder Studenten aus anderen Fachbereichen, die von Wirtschaftswissenschaften nichts verstehen, aber jetzt die feministische Kritik am mainstream beurteilen sollen? Ich befürchte Letzteres. Selbst die Dozenten sind meist fachfremd. Sie sind so fleißig, dass sie sich, ganz nebenbei, noch in ein anderes Fachgebiet einarbeiten konnten.

Aber letztlich sind gerade solche Seminare für mich die Lichtblicke des Vorlesungsverzeichnisses. Themen wie Ökonomie oder Hunger betreffen ja jeden auf zentrale Weise. Ansonsten beschäftigen sie sich vor allem mit Nebensächlichkeiten.

In einem Seminar von Prof. Dr. Eva Boesenberg geht es etwa um Frisuren:

The Cultural Politics of Hair

Hair is a part of the body humans have styled – cut, combed, braided, augmented, removed – to signal membership in a particular social group, as well as personal aesthetic preferences, throughout recorded history. Hairstyles thus communicate a range of social and cultural messages. They can be understood as instances of „gender performance;“ at the same time, they tend to be salient elements in constructions of ‚race‘ and ethnicity. Hair is thus eminently political: protest movements such as the Black Panthers, the Hippies and others expressed their opposition to entrenched hierarchies in part visually through their hairstyles.

In this course, we will discuss the significance of hair for constructions of gender, ‚race,‘ age, class, and other social hierarchies. Specifically, we will analyze conflicts around particular hair issues in order to see how they reflect processes of social and cultural change.

In order to obtain credit for this course, you have to participate regularly (at least 75 % of the time), contribute to class discussions, and present a specific topic as part of a group of students. There is no Agnes or email registration for this course. Just show up for the first session

Auch GamerGate scheint ihnen bekannt zu sein:

Serious (Video) Games: Investigating the intersections of Image/Play/Virtuality

Debates in popular Media often frame video games – reduced to MMOs or First-Person-Shooters largely played by young men – as causes for social isolation or violent behavior. However, more complex and academic analyses found in the field of Game Studies are often ignored: What constitutes a game in the first place? What does it mean to play? What stories do games tell? And what are their social and political functions and implications?

This Q-tutorial will draw on concepts ranging from literature and film studies to sociology and media studies to investigate how video games shape society and their players, with attention to categories of gender and race, but also to play and technology. Three paradigms will structure this course: Firstly, the occupation with images and narratives, secondly, the concept of play and its social functions and thirdly the relationship between virtuality, technology and the players’ bodies.

The aim of the tutorial is to produce concrete analyses based on these theoretical paradigms and the actual experiences of playing games, as well as creating our own short game-concepts using entry-level programs, which are going to be presented publicly.

Und auch Schwule dürfen sich mit sich selbst beschäftigen. Anhand von Filmen und Theaterstücken philosophieren sie darüber, wie sie in vergangenen Jahrzehnten dargestellt wurden:

AIDS and Agency: Considering Cinematic and Stage Representations of Urban Gay AIDS Activism and Politics

This seminar considers how the issue of AIDS and gay activism has been thematised in US American plays and films. The texts to be discussed will focus on how medicalized narratives about the disease have both stigmatized gay people and at the same time instigated political activism in urban gay communities. Salient themes in the seminar will include marginalized forms of masculinity, gay civil rights, political and legal discourses surrounding AIDS in the 1980s and 1990s. Attendant genre concerns will address the concept of intermediality in the context of film adaptations from stage plays

Tanzen war hier ja gerade Thema – und auch an der HU beschäftigt man sich damit:

Exotic Dance“: Sexualität und Exotisierung

Der Begriff „exotic dance“ bezeichnet seit den 1950er Jahren ausschließlich den erotischen Tanz (Striptease) und verweist nicht mehr auf Tänze, die von „exotischen“ Kulturen inspiriert wurden. Somit wurde das „Exotische“ hier zum Synonym des Erotischen. Diese semantische Verschiebung verweist auf die lange und verwobene Geschichte von Exotisierung und Sexualität, in der das Sexuelle in Abhängigkeit mit dem Körper eines vermeintlich „rassisch“ Anderen gedacht wurde. Im Seminar setzen wir uns mit dieser Interrelation anhand kulturtheoretischer Texte und der Analyse verschiedenen Materialisierungsformen (Literatur, Bildende Kunst, Theater und Film) auseinander.

Und so weiter, und so fort. Viele Veranstaltungsbeschreibungen machen wirklich neugierig. Aber es stellt sich  wieder die übliche Frage: Warum sollte der Steuerzahler dieses ganze Theater finanzieren? Ein Milliardengrab, mit dem man die verwöhnten Söhne und Töchter der Mittelschicht unterhalten will; die, die sich zu fein dafür sind, etwas anständiges zu studieren – oder die schlichtweg zu blöd dafür sind.

Für mich fällt das alles unter „Hobby“. Warum machen sie das nicht an Volkshochschulen oder organisieren sich privat über’s Internet?

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