Lann Hornscheidts Kindergarten

Arne Hoffman verlinkt heute einen Text der Fachschaftsinitiative Gender Studies und kommentiert ihn folgendermaßen:

So, jetzt findet mal schön selbst raus, ob das hier eine Satire ist oder nicht. 😀

Um es vorweg zu nehmen: Der Text ist wohl echt. Die Internetadresse wird von offizieller Seite bestätigt.

Ich habe mal versucht, das skurrile Geschwafel in halbwegs verständliches Deutsch zu übersetzen, Abschnitt für Abschnitt:

1. Absatz

Die Fachschaft Gender Studies, die vor allem aus weißen, nicht geschlechtsidentitätsgestörten Menschen besteht, hat eine weiße Transsexuelle ausgeschlossen, weil sie durch rassistische Äußerungen aufgefallen ist. Die ausgeschlossene Person wird im folgenden Renate genannt.

2. Absatz

In einem Seminar Lann Hornscheidts haben einige Teilnehmer heftig den Rassismus von Lann Hornscheidt „kritisiert“ („interveniert“). Eine Farbige, im Folgenden Nele genannt, hat die Fachschaft über den rassistischen Aussetzer Hornscheidts und die Intervention der Studenten informiert.

3. Absatz

Renate will von Nele wissen, welcher Rasse die Beschwerdeführer angehören und was ihr Geschlecht („gender“) ist. Der Raum, in dem sich das abspielte, sei ein Schutzraum für Transen wie sie. Damit die Beschwerde legitim ist, muss es innerhalb der Beschwerdegruppe ein Farbiger, der irgendwie nicht normal ist (etwa transgender), oder ein Schwarzer involviert beteiligt sein. Ansonsten dürfe wiederum eine weiße Transe wie sie, Renate, intervenieren.

Nele will keine Auskunft über Rasse und Geschlecht der Beschwerdeführer geben. Die ganze Beschwerde weist sie als rassistisches Derailing und weißes Dominanzgebären zurück.

4. Absatz

Die Fachschaft hält die Argumentation der weißen Transe Renate für falsch und rassistisch. Eine Farbige oder Schwarze muss nicht Weiße um Erlaubnis fragen, um gegen Rassismus zu diskutieren. Welche Rasse und welches Geschlecht die einzelnen Personen der Beschwerdegruppe haben, ist irrelevant. Überhaupt nachzufragen und der Glaube, ein Recht auf eine Antwort zu haben, ist hier rassistisch.

5. Absatz:

Wenn eine Weiße eine nicht-weiße Person auffordert, an einer antirassistischen Intervention gegen weißes Lehrpersonal teilzunehmen, stelle das eine Instrumentalisierung der Nicht-Weißen dar.

Auch sei der Seminarraum kein Schutzraum für Transen, sondern eben ein Raum der Universität. Als Raum einer Universität ist er rassistisch strukturiert, er kann nie ein Schutzraum für Farbige und Schwarze sein.

Rassismuskritik destabilisiere Rassismus und die weiße Vorherrschaft. Wer dagegen als Weißer die Räume einer Universität als „meine Räume“ bezeichnet, zementiert den rassistischen Status Quo.

6. Absatz:

Die weiße Transe Renate hat Nele nicht nur rassistisch beleidigt, sondern ihr darüber hinaus abgesprochen, gender-nonkonform zu sein. Auch warf sie Nele vor, dass Konzept der Intersektionalität nicht verstanden zu haben. Der Vorwurf ist inhaltlich falsch und gerade gegenüber einer mehfachdiskriminierten, queeren Farbige fehl am Platz. Einer solchen Person, einen Missbrauch der Definitionsmacht vorzuwerfen ist zynisch, da weiße Menschen strukturell die Definitionsmacht besitzen, gerade über den Begriff Rassismus.

7. Absatz:

Renate schrieb daraufhin Nele mehrere Emails trotz der Bitte, dies bleiben zu lassen. Die Emails enthielten sexistische und rassistische Beleidigungen.

8. Absatz:

Sie, die Fachschaftsinitiative, nehmen Feindlichkeit gegenüber Transpersonen sehr ernst und begrüßen die Diskussion darüber. Auf rassistische Nachfragen nicht einzugehen, ist jedoch keine Transfeindlichkeit. Indem sie Nele vorwirft, transfeindlich zu sein, macht sie das Opfer zum Täter.

Wer aufgrund von Rassismuskritik seine eigenen Befindlichkeiten in den Vordergrund stellt, lenkt vom eigentlichen Thema ab (derailing).

9. Absatz:

Rassistische Handlungen werden nicht geduldet, daher wird Renate aus der Fachschaft ausgeschlossen.

Soweit zum Text selbst. Sollte ich etwas falsch verstanden haben, korrigiert mich bitte in den Kommentaren. Ich will den Inhalt noch kurz kommentieren.

Der zweite Absatz ist der eigentlich Interessante. Lann Hornscheidt wird darin öffentlich als Rassistin (Rassistx?) diffamiert. Es wird nicht erläutert, was sie gesagt oder getan hat und warum das rassistisch ist. Ihre Identität wird nicht verschleiert – anders als die Identitäten der in den Vorfall involvierten Studenten. Und dabei spielt die Person Lann Hornscheidt für den weiteren Verlauf der Stellungnahme keine Rolle mehr, das ganze Theater scheint sich nur zwischen den Studenten abzuspielen. Sind die internen Auseinandersetzungen vielleicht nur vorgeschoben, um Lann Hornscheidt öffentlich zu denunzieren? So oder so, ein unmögliches Verhalten der Studenten.

Der dritte Absatz erinnert an Sandkasten-Spiele von Kleinkinder: Mein Eimer, meine Schaufel, mein Platz, usw. Der ethnische Hintergrund der Beteiligten ließe sich mittels eines DNA-Tests klären. Sollte man sich untereinander uneinig sein, wer von den Beteiligten nun Männlein oder Weiblein ist, könnte man ebenfalls externe Experten (Biologen, Psychologen, usw.) zu Rate ziehen. Die Selbst-Einschätzung spielt in beiden Fällen nur eine untergeordnete Rolle. Selbst wenn ich es noch so sehr will und fest auf den Boden stampfe, werde ich dadurch nicht zum Aborigine.

Was mir zu den übrigen Absätzen spontan einfällt:

  • Dauernd ist von Rassismus die Rede. Aber an keiner Stelle wird geklärt, was genau sie darunter verstehen. Meistens ist „Rassismus“ nur eine Verleumdungsvokabel für alle Weißen, die nicht über ein geschlossen-linksextremes Weltbild verfügen; etwa vergleichbar mit der Bezeichnung eines Schwarzen als Nigger. Wer Rassismus schreit, dem geht es meist um Denunziation, nicht um Argumentation. Deshalb wäre es hilfreich, das im einzelnen näher zu erläutern, gerade wenn konkrete Personen wie Lann Hornscheidt als Rassisten denunziert werden.
  • Ein Raum der Universität ist rassistisch strukturiert! Eine interessante Aussage. Ich musst ein wenig überlegen, wie ich da Sinn hinein interpretieren kann. Gewiss, Wissenschaft und Universitäten haben ihren Ursprung im Westen. Weiße, heterosexuelle Männer haben sie erfunden (gut, vielleicht waren auch ein paar Schwule dabei, wir wissen es nicht). Aber das ist Vergangenheit. Nachdem sie angefangen haben, sich zu integrieren und die Säkularisierung voranschritt, haben die Juden auch mitgemacht. Später kamen dann auch diverse Asiaten dazu (Chinesen, Japaner, Inder, usw.). Wenn man heute an eine Elite-Universität in den USA geht, sind Weiße in vielen Fachbereichen eine Minderheiten. Asiaten dominieren viele Ingenieurs- und Naturwissenschaften. Wenn man Wissenschaft heute noch als „weiß“ charakterisiert, ist das inhaltlich schlichtweg falsch. Wenn Schwarze und diverse Farbige, die bisher wenig geleistet haben, stärker wahrgenommen und mit Wissenschaft assoziiert werden wollen, müssen sie in realen Wissenschaften mehr leisten. Wenn sie sich dagegen Pseudowissenschaften wie „gender studies“ oder „black studies“ widmen, zementieren sie die Ansicht, dass sie für reale Wissenschaften zu blöd sind.
  • Ich dachte bisher, Aufgabe einer „Fachschaftsinitiative“ wäre es, die Interesse der Studenten zu vertreten. Die Autoren ziehen hier jedoch primär über eine Kommilitonin her. Immerhin machen sie ihren Namen nicht öffentlich, aber unter „gender studies“-Studenten der HU wird es sich herumsprechen, um wen es sich handelt – sofern es nicht sowieso offensichtlich ist. Warum macht man derartige Streitereien überhaupt öffentlich? So etwas klärt man normalerweise im kleinen Rahmen. Die ganze Posse ist inhaltlich uninteressant. Beachtung findet der Bericht nur wegen der skurrilen Sprache und wegen der Erwähnung Lann Hornscheidts, die vor wenigen Monaten Ziel eines shitstorms war.
  • Natürlich wird der Studentin nicht die Möglichkeit eröffnet, sich gegen die Vorwürfe zu verteidigen. Das Framing der Studentin erscheint mir fragwürdig. Sie will doch auch nur ihren Platz in der Opferolympiade verteidigen, ihn sich nicht von einer dahergelaufenen Farbigen streitbar machen. Gewiss, es ist alles lächerlich, von ihr wie von der Fachschaft. Aber eine Einzelperson gezielt an den Pranger zu stellen, ist schäbig. ‚Weißes Dominanzgebären‘, auch ein schöner Begriff. Bisher hatte ich immer den Eindruck, dass der aufdringliche Wunsch, Recht zu haben, gesteigertes Diskussionsbedürfnis und ähnliche Eigenschaften unter Menschen aller Kulturen verbreitet sind. Man interpretiert ihr Verhalten jedoch als Ausdruck einer rassistischen Gesinnung, obwohl andere Hintergründe denkbar und naheliegender sind.
  • der Genderista beschwert sich gerade medienwirksam darüber, dass sie als unwissenschaftlich wahrgenommen werden. Die beste Argumentionsstrategie, die es hier IHMO gibt, ist Folgende: Zitiert einfach ihre Text oder das, was ihre Studenten so schreiben. Skurriles, moralinsaures Geschreibsel, das beim Leser vor allem Sorgen um die mentale Verfassung der Autoren hinterlässt.
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3 Gedanken zu “Lann Hornscheidts Kindergarten

  1. Schöne Übersetzung. Da kann man deutlich erkennen, wozu die verschwurbelte Sprache dient. Es ist eine Fachsprache, um Machträume zu sichern oder aufzubrechen. Die Eigenschaften der Personen (Hautfarbe, Geschlecht, Herkunft, Gesundheitszustand, Sprache) reichen aus, um Ansprüche abzulehnen oder zu gewährleisten. Die Mitspieler sind festgelegte Produkte von Machtbeziehungen. Die Machtbeziehungen bewerten die Personen-Eigenschaften (gut/schlecht). Gender Studies ordnen die Bewertungen einer Skala zu. Je schlechter die Gesamtbewertung (d.i. die Summe dieser Werte ergibt die Gesamtbewertung, so dass eine schwarze, lesbische und ungesunde Frau die schlechtesten Werte erhält), desto diskriminierter ist die Person und desto mehr Recht auf Machtausübung oder Wiedergutmachung erhält sie. Eine uralte Vorgehensweise des Feminismus gegenüber den Männern wird jetzt auf alle anderen, die sich diskriminiert fühlen, übertragen. Problem ist jetzt aber, dass das, was bei Frauen gegenüber Männern, die einen Beschützerinstinkt gegenüber Frauen haben, funktioniert, jetzt nicht mehr klappt. Wenn die es jetzt untereinander versuchen, wo keiner diesen Kavalierinstinkt hat und keiner bei shaming tactic (=Vorzeigen der eigenen schlechten Gesamtbewertung und Vorwurf, dass der andere eine bessere Gesamtbewertung hat) verstummt, dann implodiert es. Eine weiße Transe senkt nicht demütig ihren Blick und verstummt, wenn eine Schwarze ihr die Opferkarte unter die Nase hält.

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  2. Ehrlich gesagt, habe ich auch Deine Übersetzung nicht so richtig verstanden. Alles was ich denke verstanden zu haben ist daß im Gendergarten (haha!) Schwarz Trans trumpft. Letztere wollen das aber nicht so ganz wahrhaben.

    Wahres Comedygold ist übrigens auch der Eintrag:

    https://genderini.wordpress.com/2014/12/04/statement-von-ak-uniwatch-zum-vorgehen-der-gemeinsamen-kommission-des-ztg-bzgl-weiterleitung-des-statements-zum-kolloquium-epistemische-gewalt/

    “ Unser Protest dagegen wurde dann als zu aggressiv delegitimiert (tone policing).“

    -> herumschreien (Gewalt!) ist völlig ok, wenn man im Besitz der Wahrheit ist.

    “Ich möchte, dass wir in der Sitzung fortfahren und dass das was wir gerade beschlossen haben auch gemacht wird. Das kann nicht sein, dass Sie hier einfach reinkommen und sagen wir haben ein Statement gemacht und Sie müssen das jetzt verbreiten. Wir müssen überhaupt nichts.”

    -> Es gibt Regeln, die gelten aber nicht für die selbsternannte Elite.

    “Ich finde auch anonyme Schreiben in denen Kolleginnen diffamiert werden (…) die sich dann nicht wehren können problematisch.”

    -> Selbst wir haben noch rudimentären Anstand

    Zusammenfassung:

    „Das ist eine deutliche Demonstration weißer Kompliz_innenschaft und struktureller weißer Macht innerhalb des ZtG.“

    Die kommen also rein, benehmen sich wie Arsch, schreien herum, wollen anderen in deren Organisation ihre Regeln aufdrücken. Und wenn sie scheitern, dann schlußfolgern sie:

    „Wir verurteilen diese rassistische Praxis des Silencing von PoC und Schwarzen Kritiken und die Verweigerung des ZtG sich mit eigenen strukturellen Rassismen auseinanderzusetzen aufs Schärfste!“

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  3. Danke für die Übersetzung. Ich dachte bisher das „N.“ im Original stünde für „Nigger*@!%_In“ und das „R.“ für „Rassist*@!%_In“ und war schon schwer schokiert.
    Aber „R.“ für Renate und „N.“ für Nöhle, jetzt ist meine Genderwelt wieder in Ordnung.

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